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Die Geschichte der (Bio)Baumwolle

Baumwolle
weißes Gold – schweres Schicksal

Die ältesten Belege für Baumwolle als Nutzpflanze reichen 6000 bis 7000 Jahre v. Chr. zurück und stammen aus Indien bzw. Mexiko.

Aufgrund der Eigenschaften von Baumwolle, die auch gleichzeitig Vorteile sind (Strapazierfähigkeit; Saugfähigkeit; leichte Handhabung bei der Pflege, …), ist es also kein Wunder, dass sich die Pflanze im Laufe der Jahrhunderte auf der ganzen Welt verbreitet und etabliert hat.

Heute wäre sie nicht mehr wegzudenken. Sie gilt als unverzichtbar und die Nachfrage steigt immer noch an.

Dabei ist speziell die jüngere Geschichte von Unterdrückung und Ausbeutung geprägt. Bspw. der Umgang der Kolonialmacht England mit Indien oder aber auch die Sklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Und bis heute ist die Pflanze hart umkämpft!

So wie uns Menschen, die Vorteile der Baumwolle, über die letzten Jahrhunderte begleitet haben, so sind uns auch die Schwierigkeiten bis heute erhalten geblieben. So wird zwar die aufwendige und mühevolle Ernte in der Regel nicht mehr von Sklaven erledigt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Kleinbauern auf den Feldern ist aber oftmals genauso unakzeptabel! Verarmte Bauern und Bäuerinnen sind die Opfer der ausbeuterischen Baumwollindustrie. Sie zahlen den höchsten und einzig wahren Preis für billige Mode.
Denn zwischen 95-99 % der Baumwollbauern leben heute in Entwicklungsländern, eben dort, wo Arbeitskräfte billig sind. Sogar Kinder werden für die anstrengende Tätigkeit auf den Plantagen herangezogen. Und während in der Textilindustrie Milliarden umgesetzt werden, bedrohen Ernteausfälle, ein harter Konkurrenzkampf und zunehmend auch Naturkatastrophen die Existenz von unzähligen Familien, die ihren Unterhalt mit Baumwolle verdienen.
Als wäre all dies nicht schon schlimm genug, haben sich inzwischen auch noch neue Probleme aufgetan. Mit dem wachsenden Bedarf der Industrienationen am Rohstoff Baumwolle wurden neue Anbaugebiete erschlossen und die Erntezyklen verkürzt!
Baumwolle ist eine anspruchsvolle Pflanze. Sie braucht warmes Klima, viel Wasser und sie reift über mehrere Jahre. Regen ist für den Ernteertrag ungünstig, da die Feuchtigkeit in den watteähnlichen Bällchen der Pflanze zu Fäulnis führen kann – das ist zwar kein Problem für die Natur, sehr wohl aber für die Textilwirtschaft.
Deswegen – um den Ansprüchen der Industrie an eine Nutzpflanze gerecht zu werden – wird Baumwolle heute bevorzugt in trockeneren Gebieten angebaut. Meist ist sie einjährig kultiviert, sodass regelmäßig geerntet und der Ertrag gesteigert werden kann. Das bleibt nicht ohne Folgen!
Der durch künstliche Bewässerung ständig feuchte Boden in den eigentlich trockenen-heißen Gebieten begünstigt die Ausbreitung von Schädlingen wie Blattläusen und Kapselraupen, ganz zu schweigen vom unfassbaren Wasserverbrauch!
Pestizide wie auch Düngemittel verursachen Kosten – dabei stellen gerade sie eine direkte Gefahr dar. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass jährlich 200.000 Menschen im Baumwollanbau an Pestizid-Vergiftungen sterben. Viele der Bauern und Bäuerinnen leiden an einer chronischen Belastung durch Pestizide. Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Parkinson, Hormon- und Entwicklungsstörungen bis hin zur Unfruchtbarkeit werden mit dem Einsatz von Pestiziden in Verbindung gebracht!
Deshalb nochmals – DU ZAHLST DEN WAHREN PREIS FÜR BILLIGE MODE!

Warum Bio-Baumwolle besser ist

Schon das Einsparpotenzial an Wasser ist groß. In Bio-Anbauprojekten lernen Baumwoll-Bauern, wie sie durch Tröpfchen- oder Furchenbewässerung effizient mit Wasser umgehen. Hinzu kommt, dass biologisch bewirtschaftete – humusreiche Böden die Feuchtigkeit besser speichern können. Anders als beim konventionellen Anbau wird lediglich mit Humus und Pflanzenjauchen gearbeitet, der Einsatz von Agrargiften ist verboten!  Natürliches Saatgut kommt zum Einsatz. Unkraut jäten, das Einsammeln von Schädlingen und auch die Ernte sind Handarbeit!

Die Soil Association hat im September 2015 im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris eine Studie unter dem Titel „Cool Cotton – Organic cotton and the climate change“ veröffentlicht. Sie ermittelt ein Einsparpotenzial durch den Anbau von Bio-Baumwolle gegenüber konventionell angebauter Baumwolle von 91 % beim Wasserverbrauch und von 60 % beim Energieverbrauch. Außerdem könne der Einfluss auf die Erderwärmung um 46 % reduziert werden.

Schon jetzt zeigt sich: Selbst das Hauptargument für konventionell angebaute Baumwolle, kostengünstiger zu produzieren, lässt sich nicht eindeutig belegen. Nach einer von der Soil Association angeführten indischen Langzeitstudie ist der Ertrag bei Bio-Baumwolle zwar um 14 % niedriger, aber auch die Produktionskosten sind um 38 % geringer als bei konventionell produzierter Baumwolle. Letztlich wären auch die Kosten für die medizinische Versorgung der Agrargift-Opfer, finanzielle Einbußen und Aufwendungen auf Grund von Umweltschäden sowie anteilig sogar die Folgen des Klimawandels zu veranschlagen, auch wenn diese für Konzerne und Endverbraucher nicht unmittelbar spürbar sind.

Die Recherche nach dem Anteil von Bio-Baumwolle auf dem Weltmarkt ist ernüchternd.
Nur etwa 1 % des weltweiten Baumwollanteils ist ökologisch nachhaltig, sozusagen Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau!

Alle Vorteile der Bio-Baumwolle nochmals zusammengefasst

BIOBAUMWOLLE – FREI VON PESTIZIDEN

Beim Anbau von Bio-Baumwollpflanzen ist der Gebrauch von chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verboten. Hier wird zur Düngung auf Kompost und Mist gesetzt. Außerdem ist der Humusanteil in biologisch bewirtschafteten Böden durch die Einhaltung einer wechselnden Fruchtfolge weitaus höher. Dadurch wird auch der Schädlingsbefall geringer und zum zusätzlichen Schutz der Baumwollsträucher werden zwischen sie und um sie herum Pflanzen gesetzt, die für Schädlinge schlicht und einfach anziehender als die Baumwollpflanzen sind. Die Fruchtfolge mit Klee und Getreide sichert zudem die Bodengesundheit und die Ernährung der LandwirtInnen. 

BIOBAUMWOLLE UND der doch WESENTLICH WENIGERE VERBRAUCH VON WASSER

Wie bereits erwähnt benötigt man für die Baumwollproduktion viel Wasser.
Durch den hohen Humusanteil im Boden von biologischen Baumwollfeldern wird hier jedoch weitaus mehr Wasser im Boden gespeichert und teilweise wird auch mit Regenwasser gegossen. (bspw. Wasserspeicher – Monsunregen) Dadurch kann beim Bio-Anbau im Vergleich zu konventionell angebauter Baumwolle bis zu 91 % Wasser eingespart werden. Es gibt im Biobaumwollanbau auch schon Versuche ohne jegliche Bewässerung.

BIOBAUMWOLLE UND DER GEWINN VON SAATGUT

Bei ökologischen Baumwollpflanzen kann aus den gebildeten Samen selbst Saatgut gewonnen werden, wodurch sich die zu einem großen Teil kleinstrukturierten Betriebe viel Geld ersparen und unabhängiger sind. Durch wechselnde Fruchtfolge und die Förderung von Nützlingen sind Baumwollpflanzen im Biolandbau meist widerstandsfähiger.

BIOBAUMWOLLE – ALLES BIO IM T-SHIRT?

Biobaumwolle wird oft schon bei Diskontprodukten und auch im konventionellen Handel angeboten, das ist ein guter Anfang und verbessert die Lebens- und Umweltbedingungen in den Produktionsländern. Doch auch bei Produkten aus Bio-Baumwolle ist es nicht selbstverständlich, dass diese bei der Weiterverarbeitung nicht mit chemischen Bleich- und Färbemitteln behandelt wurden. Wer sichergehen will, kauft Produkte mit Gütezeichen wie GOTS (Global Organic Textil Standard) oder IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) – das garantiert die ökologischen Standards vom Baumwollanbau bis zum fertigen Textil.

Warum ist Bio-Baumwolle meist teurer?

Die Herstellung von Bio-Baumwolle zollt auch einen finanziellen Tribut. Bio-Baumwolle ist im Durchschnitt zwischen zwanzig und vierzig Prozent teurer als konventionell produzierte Baumwolle, die allein auf die Maximierung des Profits ohne Rücksicht auf Natur und Bauern ausgelegt ist. Doch der höhere Preis begleicht nicht nur die offene Rechnung mit der Umwelt und den Produzenten vor Ort, sondern zeigt sich auch in einer hochwertigeren Ausführung, in einer feineren Qualität des Materials. Weil bei der Produktion von Bio-Baumwolle keine Entlaubungsmittel verwendet dürfen, werden die Bio-Blüten nicht maschinell, sondern Stück für Stück per Hand geerntet. Das bedeutet nicht nur einen weitaus höheren Zeitbedarf, sondern eine Qualitätskontrolle, die direkt an der Pflanze beginnt. Bei einer Handernte der Bio-Baumwolle werden verdorbene Fasern, Kapsel- und Blattstücke ausgespart und nicht – wie industriell üblich – mitgeerntet. Das Ergebnis kann sich sowohl strukturell als auch im Tasttest sehen lassen.

Weich und anschmiegsam präsentiert sich die Baumwolle aus Bio-Produktion, mit einer extra Portion Gutem Gewissen. 

Die Zukunft von Bio-Baumwolle

Bio-Baumwolle hat sich ihren Platz in der Modewelt hart erkämpft und ist nun endlich dort angelangt, wo auch Marketingagenturen und Konzerne sich für das Thema zu interessieren beginnen. Kurzum: Bio-Baumwolle ist im allgemeinen Bewusstsein, in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Was vor zwanzig Jahren – zu Beginn der Bio-Baumwolle-Bewegung – noch wie ein Wunschtraum schien, wird nun Stück für Stück zur gelebten Realität. Ökologisch nachhaltiger Baumwollanbau in Bio-Qualität hat bewiesen, dass eine faire Produktion von Mode möglich ist. Angesichts der zunehmend prekären Situation auf unserem Planeten wird immer mehr Menschen bewusst, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, beim Kauf neuer Kleidung ein Augenmerk auf dessen Herkunft, auf Qualität und Produktionsverfahren zu legen.

Gemeinsam ist es den Kunden in einer globalen Marktwirtschaft möglich, Veränderungen einzuleiten, gemeinsam kann durch bewusstes Kaufverhalten ökologisch nachhaltige Wirtschaft gestärkt werden, die zudem die Bauern vor Ort stärkt. Gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten, dieses Ziel kommt immer mehr in greifbare Nähe.

Denn wir sind es, die Angebot und Nachfrage bestimmen!

Quellenangaben:

www.umweltberatung.at
www.umweltinstitut.org 
www.gruenerde.com
www.ejfoundation.org

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